Erschöpfung, Arbeiten trotz Krankheit und hohe Belastung prägen Führungspraxis
Die Folgen zeigen sich deutlich im Arbeitsalltag. Mehr als jede zweite Führungskraft (53 Prozent) arbeitet nach eigenen Angaben regelmäßig weiter, obwohl sie sich eigentlich nicht arbeitsfähig fühlt. 60 Prozent haben ein schlechtes Gewissen, wenn sie sich krankschreiben lassen. Fast jede zweite Person mit Führungsverantwortung (48 Prozent) hat bereits gesundheitliche Nachteile für den Beruf in Kauf genommen. Jede Dritte (33 Prozent) denkt aufgrund von Belastungen sogar schon darüber nach, ihre Führungsverantwortung aufzugeben.
Zu den größten Belastungsfaktoren zählen Personalmangel (42 Prozent), ständige Erreichbarkeit (33 Prozent) und hohe Arbeitsdichte (30 Prozent). Wichtige Ressourcen für langfristige Gesundheit kommen dabei häufig zu kurz. Ganz oben auf der Liste dessen, was zu kurz kommt, steht der Schlaf (49 Prozent), gefolgt von Erholung (42 Prozent), Freundschaften (37 Prozent) und Familie (33 Prozent). Besonders betroffen sind die Jüngeren: Bei den 24- bis 49-Jährigen sagen 52 Prozent, ihr Schlaf komme zu kurz, bei den 50- bis 74-Jährigen sind es 37 Prozent.
Rente mit 70? Die meisten Führungskräfte sehen ihr Limit im Schnitt bei 60 Jahren
Die Ergebnisse werfen auch ein Schlaglicht auf die Debatte um längere Lebensarbeitszeiten. Zwar ist die große Mehrheit der Befragten (72 Prozent) überzeugt, ihr aktuelles Arbeitspensum auch in den kommenden fünf Jahren gesundheitlich bewältigen zu können. Trotzdem können sie sich im Schnitt nur vorstellen, bis zum Alter von 60 Jahren (Mittelwert) zu arbeiten. Bemerkenswert: Vor allem jüngere Führungskräfte blicken skeptisch auf ein langes Erwerbsleben. Während sich die 24- bis 49-Jährigen im Durchschnitt nur vorstellen können, bis zum Alter von 59 Jahren zu arbeiten, liegt dieser Wert bei den 50- bis 74-Jährigen im Schnitt bei etwa 65 Jahren. Jede fünfte Führungskraft unter 50 Jahren sieht sich sogar höchstens bis zum Alter von 50 Jahren im Erwerbsleben.
>>> Gastbeitrag von Dr. Gerd Wirtz: Die Studie zeigt ein überraschendes Bild, denn viele jüngere Führungskräfte fühlen sich gesund, berichten gleichzeitig jedoch häufiger von Erschöpfung und können sich ein langes Arbeitsleben oft nicht mehr vorstellen. Was dahintersteckt und welche einfachen Hebel langfristig den größten Unterschied machen, lesen Sie im Gastbeitrag „Jung, gesund – und trotzdem erschöpft“. <<<
Methodik der Studie
Die Daten basieren auf einer Online-Befragung, die die IPSOS GmbH im Auftrag der HanseMerkur Krankenversicherung vom 13. bis 24. August 2026 durchgeführt hat. Die wissenschaftliche Studienleitung lag bei Dr. Gerd Wirtz. Befragt wurden 500 in Vollzeit tätige Führungskräfte in Deutschland aus u. a. Wirtschaft, Handel und Industrie im Alter von 24 bis 74 Jahren; davon 30 Prozent Frauen und 70 Prozent Männer. Das Durchschnittsalter beträgt 40,8 Jahre. Die Befragten verteilen sich auf die oberste, mittlere und untere Führungsebene und sind für unterschiedlich viele Mitarbeitende verantwortlich.
Über Dr. Gerd Wirtz
Dr. Gerd Wirtz ist promovierter Neurophysiologe, Longevity-Experte, Keynote-Speaker und Moderator. Als wissenschaftlicher Leiter des HanseMerkur Longevity Leadership Report ordnet er die Ergebnisse fachlich ein. Er ist Autor von „Der Longevity Kompass“; im Januar 2027 erscheint sein neues Buch „100 Jahre fit im Kopf“, Orbita Media Verlag. Weitere Informationen und Kontakt unter www.gerdwirtz.de.