Herr Sautter, die HanseMerkur wächst erneut deutlich über Marktniveau – besonders im Bereich Gesundheit & Pflege. Was sagt dieses Wachstum über die Erwartungen der Menschen an ihre Krankenversicherung aus?
Die Menschen erwarten heute mehr als reine Kostenerstattung. Sie suchen einen Gesundheitspartner, der sie aktiv begleitet – mit Prävention, digitalen Angeboten und innovativen Leistungen. Unser Wachstum zeigt: Viele wollen nicht nur Krankheit absichern, sondern Gesundheit erhalten.
Sie sprechen von einem notwendigen „Shift“ im Gesundheitswesen. Was meinen Sie damit konkret?
Wir müssen weg vom reinen Reparaturbetrieb. Der Fokus sollte stärker auf Prävention, Gesundheitskompetenz und langfristiger Gesundheit liegen – also von Kosten für Krankheit hin zu Investitionen in Gesundheit. Es geht darum, Ursachen früher zu erkennen und Gesundheit aktiv zu gestalten, statt nur auf Erkrankungen zu reagieren.
Rund um Longevity engagieren sich in Deutschland inzwischen viele Akteure. Welche Rolle kann eine Krankenversicherung wie die HanseMerkur in diesem Umfeld übernehmen?
Longevity ist längst kein Nischenthema mehr, sondern eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Akteure aus Medizin und Wissenschaft, Tech-Unternehmen sowie politische Entscheidungsträger setzen in Deutschland derzeit erste Impulse. Krankenversicherer haben dabei eine besonders bedeutende Rolle, weil sie sehr nah an den Menschen sind und Gesundheit aktiv mitgestalten können. Als HanseMerkur erreichen wir die Menschen im Alltag und können Prävention, Früherkennung und gesundheitsbewusstes Verhalten konkret fördern. Genau darin sehen wir unsere Verantwortung als Gesundheitspartner: innovative Lösungen zugänglich zu machen und Menschen dabei zu unterstützen, möglichst lange gesund, aktiv und leistungsfähig zu bleiben.
Die HanseMerkur setzt auf „Fördern. Fordern. Belohnen.“ Wie sieht das in der Praxis aus?
Wir fördern Gesundheit beispielsweise durch digitale Präventionsangebote wie unser Vorhofflimmern-Screening per Mini-EKG. Wir fordern aber auch mehr Eigenverantwortung und Gesundheitsbildung – möglichst früh und generationenübergreifend. Und wir belohnen bereits seit über 20 Jahren gesundheitsbewusstes Verhalten mit Gesundheitsrabatten für Menschen, die nicht rauchen und deren Werte beispielsweise bei Cholesterin, Blutdruck, Blutzucker im Normbereich sind. Perspektivisch braucht Deutschland dafür ein deutlich breiteres Anreizsystem.
Was wäre aus Ihrer Sicht der wichtigste Reformschritt für ein zukunftsfähiges Gesundheitswesen?
Grundsätzlich braucht es dringend einen Paradigmenwechsel, was die Ausgabenseite anbelangt. Nur so ist eine auch langfristig wirksame Gesundheitsreform möglich. Dazu gehört auch, Prävention als größten Hebel anzuerkennen. Sie verbessert die Lebensqualität, vermeidet Erkrankungen und macht das Gesundheitssystem langfristig effizienter. Wenn wir Gesundheit stärker fördern, statt Krankheit nur zu verwalten, profitieren Menschen, Wirtschaft und Gesellschaft gleichermaßen.