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HanseMerkur Preis für Kinderschutz Preisträger 2026 fragfinn.de

Quelle: FragFinn.de

Hamburg/Berlin, 6. Oktober 2026 Zurück

Wo Kinder sicher suchen dürfen

HanseMerkur Preis für Kinderschutz ehrt fragFINN e. V. mit
einem Anerkennungspreis

Was passiert, wenn ein Achtjähriger ein Wort in eine Suchmaschine tippt, das er nicht versteht? Wer entscheidet, was er als Antwort bekommt? Der Berliner Verein fragFINN e. V. hat darauf seit 2007 eine Antwort: einen geschützten Surfraum, in dem jede einzelne Seite von Menschen geprüft wurde, bevor ein Kind sie findet. Für die kindgerechte Suchmaschine fragFINN.de und die Redaktion der FINNreporter, in der Kinder selbst zu Journalistinnen und Journalisten werden, erhält der Verein einen Anerkennungspreis des HanseMerkur Preises für Kinderschutz. Die Auszeichnung ist mit 20.000 Euro dotiert und wird im Rahmen der feierlichen Preisverleihung am 06. Oktober 2026 am Unternehmenssitz der HanseMerkur in Hamburg überreicht.

Das Internet ist längst Teil des Grundschulalltags. 72 Prozent der 6- bis 13-Jährigen in Deutschland sind zumindest selten online, von den Kindern, die es nutzen, mehr als die Hälfte täglich. Der Einstieg erfolgt früh: Bei den 6- bis 7-Jährigen sind 37 Prozent online, bei den 12- bis 13-Jährigen nahezu alle. Das zeigt die KIM-Studie 2024. Sie zeigt auch die Kehrseite: Acht Prozent der internetnutzenden Kinder haben bereits Inhalte gesehen, für die sie nach eigener Einschätzung zu jung waren.

Eberhard Sautter, Vorstandsvorsitzender der HanseMerkur, zeigt sich von der Arbeit des Berliner Vereins beeindruckt: „Kinder wachsen heute selbstverständlich mit dem Internet auf. Sie davon fernzuhalten, ist keine Lösung. Ihnen einen geprüften Raum zu geben, in dem sie suchen und lernen dürfen, sehr wohl. Das leistet fragFINN seit fast zwei Jahrzehnten und lässt die Kinder mit den FINNreportern zugleich selbst zu Wort kommen. Diese Verbindung aus Schutz im digitalen Raum und Beteiligung verdient unsere höchste Anerkennung.“

Eine Liste, die sich täglich verändert
Grundlage von fragFINN.de ist eine Positivliste mit derzeit rund 3.500 freigegebenen Webseiten: Jede Seite, die Kinder über die Suchmaschine erreichen können, wurde zuvor nach einem eigenen Kriterienkatalog manuell geprüft und freigegeben. Damit endet die Arbeit nicht. In regelmäßigen Abständen kontrolliert das Team, ob eine aufgenommene Seite die Kriterien noch erfüllt und nimmt sie wieder heraus, wenn das nicht mehr der Fall ist. Die Liste verändert sich dadurch fast täglich. Die meisten Vorschläge für neue Seiten kommen von den Kindern selbst: Über ein einfaches Formular können sie Themenwünsche oder konkrete Adressen einreichen. fragFINN entwickelt die Suchmaschine mit eigenen IT-Fachkräften und betreibt sie auch als App.

Kinder nehmen Berichterstattung selbst in die Hand
Neben der Suchmaschine sind die FINNreporter das zweite Herzstück des Vereins. Neun bis fünfzehn Kinder zwischen neun und dreizehn Jahren treffen sich wöchentlich in einem Jugendkulturzentrum in Berlin-Mitte und entscheiden selbst, worüber auf fragFINN.de berichtet wird. Sie stimmen über Themen ab, führen Interviews, stehen vor der Kamera und lernen dabei das Handwerk: Wie hält man ein Mikrofon? Wohin schaut man beim Fragenstellen? Wie verhält man sich, wenn man im Bild ist, aber gerade nicht spricht? Die Reporterinnen und Reporter waren im Bundeskanzleramt, auf der Leipziger Buchmesse und auf der GamesCom. Als nächstes wollen sie herausfinden, wie Künstliche Intelligenz bei einem großen Suchmaschinenkonzern eingesetzt wird.

„Die Kinder merken sehr schnell, dass ihre Fragen zählen“, sagt Udo Lihs, Projektleiter der FINNreporter beim fragFINN e. V. „Wer einmal einem Politiker gegenübergesessen und die eigene Frage gestellt hat, geht anders durch die digitale Welt. Das ist Medienbildung, die niemand aus einem Arbeitsblatt lernt.“

Jedes zweite Kind nutzt fragFINN.de
Wie tief das Angebot im Alltag verankert ist, zeigt eine repräsentative Befragung von iconkids & youth im Auftrag des Vereins: 61 Prozent der 6- bis 12-Jährigen kennen fragFINN.de, jedes zweite Kind dieser Altersgruppe nutzt die Suchmaschine. An vielen Schulen ist sie als Startseite der Browser eingerichtet. Getragen wird der Verein bis heute wesentlich von den Beiträgen und Spenden seiner Mitgliedsunternehmen aus der Digital-, Kommunikations- und Medienwirtschaft, ergänzt um projektbezogene öffentliche Mittel. Gegründet wurde fragFINN 2007 im Rahmen der Initiative „Ein Netz für Kinder“ der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und des Bundesfamilienministeriums; seit 2009 besteht der Verein als gemeinnützige Organisation.

Ein Feld, das kleiner geworden ist
Der Kreis kindgerechter Suchangebote im deutschsprachigen Raum ist zuletzt geschrumpft. Die 1997 gestartete Kindersuchmaschine „Blinde Kuh“ stellte ihr Angebot Anfang 2024 ein, nachdem die Bundesförderung ausgelaufen war. Umso mehr Gewicht bekommt die Arbeit des fragFINN e. V., als Anlaufstelle für Eltern und Schulen ebenso wie als fachlicher Knotenpunkt im digitalen Kinder- und Jugendmedienschutz.

Die nächste Frage heißt Künstliche Intelligenz
Auch bei fragFINN steht die Technik nicht still. Derzeit arbeitet das Team an einer sprachgesteuerten Version: Das Maskottchen Finn, eine Raupe, soll Suchergebnisse künftig auch dann ausgeben, wenn Kinder ihre Frage einfach sprechen. Es ist der häufigste Wunsch der jungen Nutzerinnen und Nutzer. Zugleich beschäftigt den Verein, welche Rolle Künstliche Intelligenz bei der Prüfung der Positivliste übernehmen könnte, als Vorauswahl, mit einer persönlichen Endabnahme durch das Team. Mit dem Preisgeld in Höhe von 20.000 Euro will fragFINN Themen wie digitale Sicherheit und Datenschutz stärker in seine redaktionellen Angebote holen und Eltern sowie pädagogische Fachkräfte gezielt dafür sensibilisieren. Außerdem entstehen neue interaktive Mitmachformate für Kinder und Werkstätten für die FINNreporter.

„Diese Auszeichnung ist eine Bestätigung für alle, die seit Jahren Seite für Seite prüfen“, sagt Udo Lihs. „Sie macht sichtbar, dass ein sicherer digitaler Raum für Kinder kein Nebenschauplatz ist, sondern Kinderschutz im besten Sinne.“

 

Quellen
Internetnutzung von Kindern: Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (mpfs), KIM-Studie 2024. Kindheit, Internet, Medien, Stuttgart 2025.
Kinderrechte im digitalen Raum: UN-Kinderrechtskonvention, Artikel 17; UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes, Allgemeine Bemerkung Nr. 25 über die Rechte der Kinder im digitalen Umfeld, 02.03.2021.
Bekanntheit und Nutzung von fragFINN.de: Repräsentativbefragung von iconkids & youth im Auftrag des fragFINN e. V., Februar/März 2025, 724 befragte Kinder von 6 bis 12 Jahren.
Einstellung der Kindersuchmaschine „Blinde Kuh“: Seitenstark e. V., Meldung vom 02.01.2024.

Über den HanseMerkur Preis für Kinderschutz

Im UNO-Jahr des Kindes 1979 gab die HanseMerkur bei Prof. Dr. Hedwig Wallis, damals Direktorin der Psychosomatischen Abteilung an der Hamburger Universitäts-Kinderklinik, eine Studie in Auftrag. Diese wies nach, dass die begleitende Mutter zur Beschleunigung des Genesungsverlaufs und zur Vorbeugung gegen seelische Schäden bei stationären Aufenthalten von Kindern entscheidend ist. Diese Erkenntnis mündete ein Jahr später in den „Mutter-und-Kind-Tarif“, mit dem die HanseMerkur als erster privater Krankenversicherer das „Rooming-in“ absicherte.

Parallel dazu wurde 1980 erstmals unter dem Motto „Sorge für Kinder ist Vorsorge für die Zukunft“ der HanseMerkur Preis für Kinderschutz ausgeschrieben. Ausgezeichnet werden einzelne Personen, private Initiativen und Gruppen in Deutschland, die sich weitgehend ehrenamtlich und höchst engagiert sowie beispielhaft für die Belange von Kindern und Jugendlichen einsetzen. Dies kann im Bereich der psycho-sozialen, der medizinischen oder gesellschaftlichen Hilfe bzw. Vorbeugung geschehen. Eine zehnköpfige Jury aus renommierten Kinderschützern, der unter anderem Prof. Dr. Sabine Andresen (Der Kinderschutzbund), Georg Graf Waldersee (Deutsches Komitee für UNICEF) und Prof. Dr. Sabine Walper (Deutsche Liga für das Kind) angehören, sorgt für den Know-how-Transfer und die Qualitätskontrolle bei der alljährlichen Auswahl exzellenter Initiativen im Kinder- und Jugendschutz. Seit 1980 haben sich über 4.000 Projekte beworben. Ausgezeichnet wurden bislang 194 Projekte, die Preisgelder in Höhe von über 1,4 Millionen Euro erhalten haben.