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HanseMerkur Preis für Kinderschutz Preisträger 2026 Acker e.V.

Quelle: Acker e.V.

Hamburg/Berlin, 6. Oktober 2026 Zurück

Ein Beet, das Schule macht

HanseMerkur Preis für Kinderschutz ehrt Acker e. V. mit dem Hauptpreis

Wie erklärt man einem Kind, was auf seinem Teller landet? Wie weckt man Begeisterung für Möhren, Mangold und Radieschen? Das Berliner Sozialunternehmen Acker hat darauf eine überzeugende Antwort: mit einem eigenen Beet an Schule und Kita, mit Gießkanne, Harke und Geduld und mit einem bundesweiten Bildungsprogramm, das über Jahre trägt. Für seine Programme GemüseAckerdemie und AckerRacker, in denen Kinder ab drei Jahren Lebensmittel selbst anbauen, ernten und schätzen lernen, erhält das Sozialunternehmen den diesjährigen Hauptpreis des HanseMerkur Preises für Kinderschutz. Die Auszeichnung ist mit 40.000 Euro dotiert und wird im Rahmen der feierlichen Preisverleihung am 06. Oktober 2026 am Unternehmenssitz der HanseMerkur in Hamburg überreicht.

Die Kindheit in Deutschland hat sich grundlegend gewandelt. Wo Kinder früher einen Großteil ihrer Freizeit draußen verbrachten, bestimmen heute Bildschirme und geschlossene Räume den Alltag. Die Folgen lassen sich belegen: Rund 80 Prozent der Kinder und Jugendlichen erreichen die von der Weltgesundheitsorganisation empfohlene Stunde Bewegung pro Tag nicht. Die Alltagsbewegung der 4- bis 17-Jährigen ist binnen zwölf Jahren um 37 Prozent zurückgegangen. 15,4 Prozent der Drei- bis 17-Jährigen sind übergewichtig, 5,9 Prozent adipös. Genau hier setzt Acker an.

Eberhard Sautter, Vorstandsvorsitzender der HanseMerkur, zeigt sich beeindruckt: „Acker macht deutlich, dass Kinderschutz auch Gesundheitsvorsorge ist und dass sie früh beginnen muss. Wenn Kinder erleben, wie aus einem Samenkorn eine Mahlzeit wird, lernen sie weit mehr als Gartenarbeit: Sie bewegen sich, übernehmen Verantwortung und entwickeln ein Gespür für gute Ernährung. Diese beharrliche und wissenschaftlich fundierte Arbeit ist ein eindrucksvoller Beitrag zur Kindergesundheit.“

Ein Acker als Klassenzimmer
Die GemüseAckerdemie ist ein ganzjähriges Programm für Schulkinder von sechs bis zwölf Jahren. Auf einer eigenen Fläche direkt an der Schule bauen die Kinder Gemüse an, erleben den Kreislauf der Natur aus nächster Nähe und lernen, wie Lebensmittel entstehen. Das Programm findet im Unterricht statt und wird durch eine digitale Lernplattform sowie praxisorientierte Weiterbildungen für Lehrkräfte begleitet. So verankert es sich fest im Schulalltag und bleibt nicht ein Projekt unter vielen. Die wissenschaftliche Begleitung zeigt: Nach dem Programm wissen die Kinder mehr über Lebensmittel, erleben stärkeren Zusammenhalt in der Klasse und essen nachweislich mehr Gemüse.

Die Jüngsten ackern mit
Seit 2015 richtet sich der Verein mit dem Programm AckerRacker gezielt an Kita-Kinder zwischen drei und sechs Jahren. Das mehrjährige Bildungsangebot ist spielerischer aufgebaut und lässt die Jüngsten mit allen Sinnen erfahren, wie Gemüse wächst und schmeckt. Gemeinsam mit pädagogischen Fachkräften bewirtschaften die Kinder eine eigene Fläche. Die Wirkung ist weitreichend: mehr Bewegung an der frischen Luft, bessere Ernährungsgewohnheiten, ein gestärktes Gemeinschaftsgefühl.

„Ein Acker verändert eine Schule“, sagt Eva-Maria Thürauf-Schickling, die bei Acker das Partnermanagement für Unternehmen und Privatspenden verantwortet. „Kinder, die selbst gepflanzt, gegossen und geerntet haben, sehen Lebensmittel mit anderen Augen. Und sie tragen diese Erfahrung weiter, in ihre Familien, in ihren Alltag, in ihr späteres Leben.“

Rund 2.000 Lernorte, über 500.000 Kinder
Seit 2014 sind durch die Programme rund 2.000 Lernorte entstanden, an denen über 500.000 Kinder und Jugendliche erreicht wurden. Getragen wird diese Arbeit von rund 400 ehrenamtlichen AckerCoaches, die der Verein seither ausgebildet hat. Sie begleiten die Einrichtungen über vier Jahre – im ersten Jahr besonders eng, danach beratend. Etwa ein Fünftel der Programmkosten tragen Schulen und Kitas selbst; das stärkt die Bindung an das Programm. Den übrigen Teil übernehmen Förderpartner aus Wirtschaft, Stiftungen, aus der Zivilgesellschaft sowie Präventionspartner. Heute ist Acker e. V. im gesamten DACH-Raum und in allen deutschen Bundesländern aktiv.

Auf dem Acker findet jedes Kind seine Rolle
Wie inklusiv das Programm wirkt, zeigt sich an einer Förderschule in Hamburg-Lokstedt. Bei der Erstbepflanzung leitet AckerCoachin Ute Gibelius rund 15 Jugendliche zwischen zwölf und 16 Jahren mit geistigen und körperlichen Behinderungen in sehr unterschiedlicher Ausprägung an. Manche sehen zunächst nur zu, andere packen tatkräftig mit an. Eingebunden sind alle. Klassenlehrerin Birte Hanssen berichtet, dass es den Schulgarten schon früher gab, er aber nur sporadisch bewirtschaftet wurde. Die Belastung für die Lehrkräfte war zu hoch. Entsprechend groß ist die Freude, dass Acker hier befähigt und unterstützt: „Die Freude der Schülerinnen und Schüler, wenn sie sehen, wie etwas wächst, was sie selbst gepflanzt haben, ist unbezahlbar!“

Wenn der Acker zum Aushängeschild wird
Dass das Programm weit über das Beet hinauswirkt, erlebt Dominike Trageser an einem staatlichen Gymnasium im Spessart. Sie hat die GemüseAckerdemie an ihrer Schule etabliert, an einer Schulform, die praktische „Lebensfächer“ nicht im Lehrplan vorsieht. Inzwischen ist der Acker das Aushängeschild der Schule: Fledermäuse, verschiedene Vogelarten und Blindschleichen haben sich angesiedelt, eine Klasse legte einen Barfußpfad rund um das Beet an, eine Kollegin siedelte Bienenvölker an. „Ackern“ wird als Wahlpflichtfach angeboten, ein „grünes Klassenzimmer“ ist in Planung.

Wirkung, die gemessen wird
Wirkungsmessung hat bei Acker einen hohen Stellenwert. Zwei Fragen stehen dabei im Mittelpunkt: Was verändern die Programme im Bewusstsein der Kinder und Jugendlichen? Und wie lassen sich Lehrkräfte so unterstützen, dass sie die Programme trotz hoher Arbeitsbelastung umsetzen können? Befragt werden die Kinder und Jugendlichen selbst sowie Lehrkräfte und Eltern. Dazu werden regelmäßig Studien durchgeführt, um Wirkungseffekte besser zu verstehen und zu monitoren. Die Ergebnisse zeigen sich auf drei Ebenen: Die Kinder und Jugendlichen erleben sich als selbstwirksam, die Klasse wächst enger zusammen, und zu Hause verändern sich die Essgewohnheiten.

„2030 – jedes Kind!“

Der Verein hat sich ein ambitioniertes Ziel gesetzt: Bis 2030 will Acker die Voraussetzungen dafür schaffen, dass jedes Kind die Chance auf eine Naturerfahrung bekommt. Mit dem Preisgeld von 40.000 Euro des HanseMerkur Preises für Kinderschutz will Acker e. V. weiteren Schulen und Kitas die Teilnahme an den Bildungsprogrammen GemüseAckerdemie und AckerRacker ermöglichen.

„Diese Auszeichnung ist für uns weit mehr als eine Bestätigung“, sagt Eva-Maria Thürauf-Schickling. „Sie macht sichtbar, dass Naturerfahrung, Bewegung und Ernährungsbildung keine Nebensache sind, sondern zum Kinderschutz gehören. Genau dafür arbeiten wir, Acker für Acker.“

 

Quellen
Bewegungsmangel und Rückgang der Alltagsbewegung: MoMo-Längsschnittstudie (Motorik-Modul), Verbundprojekt des Karlsruher Instituts für Technologie und der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe in Zusammenarbeit mit dem Robert Koch-Institut; Meldung des Deutschen Ärzteblatts vom 20.03.2019. Der Rückgang um 37 Prozent bezieht sich auf die Alltagsaktivität, nicht auf die körperliche Aktivität insgesamt.

Übergewicht und Adipositas: Robert Koch-Institut, KiGGS Welle 2, Journal of Health Monitoring 1/2018, Altersgruppe 3 bis 17 Jahre, Erhebungszeitraum 2014 bis 2017.

Angaben zu Programmen, Lernorten, Reichweite und Finanzierung: Acker e. V., acker.co, Stand August 2026.

Über den HanseMerkur Preis für Kinderschutz

Im UNO-Jahr des Kindes 1979 gab die HanseMerkur bei Prof. Dr. Hedwig Wallis, damals Direktorin der Psychosomatischen Abteilung an der Hamburger Universitäts-Kinderklinik, eine Studie in Auftrag. Diese wies nach, dass die begleitende Mutter zur Beschleunigung des Genesungsverlaufs und zur Vorbeugung gegen seelische Schäden bei stationären Aufenthalten von Kindern entscheidend ist. Diese Erkenntnis mündete ein Jahr später in den „Mutter-und-Kind-Tarif“, mit dem die HanseMerkur als erster privater Krankenversicherer das „Rooming-in“ absicherte.

Parallel dazu wurde 1980 erstmals unter dem Motto „Sorge für Kinder ist Vorsorge für die Zukunft“ der HanseMerkur Preis für Kinderschutz ausgeschrieben. Ausgezeichnet werden einzelne Personen, private Initiativen und Gruppen in Deutschland, die sich weitgehend ehrenamtlich und höchst engagiert sowie beispielhaft für die Belange von Kindern und Jugendlichen einsetzen. Dies kann im Bereich der psycho-sozialen, der medizinischen oder gesellschaftlichen Hilfe bzw. Vorbeugung geschehen. Eine zehnköpfige Jury aus renommierten Kinderschützern, der unter anderem Prof. Dr. Sabine Andresen (Der Kinderschutzbund), Georg Graf Waldersee (Deutsches Komitee für UNICEF) und Prof. Dr. Sabine Walper (Deutsche Liga für das Kind) angehören, sorgt für den Know-how-Transfer und die Qualitätskontrolle bei der alljährlichen Auswahl exzellenter Initiativen im Kinder- und Jugendschutz. Seit 1980 haben sich über 4.000 Projekte beworben. Ausgezeichnet wurden bislang 194 Projekte, die Preisgelder in Höhe von über 1,4 Millionen Euro erhalten haben.