„Die Therapie richtet sich nach dem Menschen – und nicht umgekehrt.“
myReha arbeitet mit einer adaptiven, datenbasierten Personalisierung. Wie funktioniert diese konkret – und welchen Vorteil bietet sie gegenüber klassischen Therapieangeboten?
Das Herzstück von myReha ist ein intelligenter Wochenplan, der für jede Nutzerin und jeden Nutzer ganz individuell zusammengestellt wird. Schon bei der Registrierung erfasst myReha die entscheidenden Informationen – die Diagnose sowie die aktuellen sprachlichen und kognitiven Fähigkeiten – und erstellt daraus einen maßgeschneiderten Therapieplan. Das Besondere ist die adaptive Natur der Software: Sie denkt mit und passt den Schwierigkeitsgrad bei jeder einzelnen Aufgabe an. Klappt etwas gut, wird es anspruchsvoller. Ist eine Aufgabe zu schwer, schaltet das System einen Gang zurück.
So trainieren Betroffene immer genau an ihrer persönlichen Leistungsgrenze – fordernd, aber nie überfordernd, und ganz ohne Frustration oder Scham. Genau darin liegt der große Vorteil gegenüber vielen klassischen Angeboten: Der Plan wächst mit den Fähigkeiten mit, statt starr zu bleiben, und jede Person erhält ein persönliches Feedback, das sie individuell weiterbringt. Die Therapie richtet sich nach dem Menschen – und nicht umgekehrt. Und sie ist überall und jederzeit verfügbar: ob zu Hause auf dem Sofa, unterwegs oder im Urlaub. So lässt sich das Training ganz selbstverständlich in den Alltag integrieren, statt sich dem Alltag in den Weg zu stellen.
Für welche Patientengruppen wurde die Anwendung entwickelt – und wo liegen aus Ihrer Sicht heute die Möglichkeiten und Grenzen digitaler Therapieangebote?
myReha wurde speziell für die neurologische Therapie entwickelt – für die Verbesserung von Sprache, Kognition und Alltagsfähigkeiten nach einem Schlaganfall, bei Aphasie, Demenz, Parkinson, Multipler Sklerose, nach einem Schädel-Hirn-Trauma oder auch bei dem „Brain Fog", den viele nach einer COVID-Erkrankung erleben. Trainiert wird dabei eine ganze Bandbreite alltagsrelevanter Fähigkeiten: das Sprechen und die Wortfindung ebenso wie Konzentration, Aufmerksamkeit, Gedächtnis, logisches Denken und mehr. Uns war besonders wichtig, die App so intuitiv zu gestalten, dass wirklich jeder damit arbeiten kann – unabhängig vom Alter und unabhängig davon, wie viel Erfahrung jemand mit Smartphone oder Tablet mitbringt.
Was die Möglichkeiten angeht, sind wir schon erstaunlich weit: Im Bereich der Sprachanalyse mit Fokus auf neurologische Erkrankungen gehören wir mit unseren KI-Sprachmodellen weltweit zur Spitze und erkennen Auffälligkeiten bis auf die Phonemebene. Unsere Analyse kann hier bereits mit menschlichen Fähigkeiten mithalten „Grenzen sehe ich heute noch bei feineren menschlichen Zwischentönen – etwa bei der Erfassung nonverbaler Kommunikation. Für offene Fragen wie diese gibt es aber sehr spannende Ansätze, die wir mit unserem internen Team intensiv verfolgen. Und wenn man sich die Geschwindigkeit der heutigen KI-Entwicklung ansieht, gilt: Was heute noch eine Grenze ist, kann morgen schon gelöst sein.
Mit der HanseMerkur wird myReha nun Teil eines privaten Krankenversicherungsangebots. Welche Bedeutung hat die Zusammenarbeit für die Versorgung neurologisch erkrankter Menschen – und wie gelingt Versicherten der Einstieg in die App?
Wir freuen uns sehr über diese Zusammenarbeit und darüber, dass die HanseMerkur ihren Versicherten damit den Zugang zu einer wirklich direkten und innovativen Versorgung eröffnet. Der entscheidende Vorteil von myReha ist, dass eine große Breite neurologischer Beeinträchtigungen abgedeckt wird und Betroffene sofort loslegen können, ohne quälende Wartezeit auf einen Therapieplatz. Und genau darauf kommt es an: Jede Minute zählt, wie wir immer sagen – und zwar nicht erst beim Üben, sondern schon bei der Versorgung selbst.
Für die Versicherten ist der Einstieg denkbar einfach. Nach einer kurzen Registrierung starten sie direkt in der App und erhalten ihren persönlichen Wochenplan, der von Tag eins an mit ihren Fähigkeiten mitwächst. Sie sehen ihre Entwicklung jederzeit schwarz auf weiß, verfolgen ihre Fortschritte und bekommen bei jeder Übung ein direktes Feedback in Echtzeit. Aus einer Versorgungslücke wird so ein durchgehender, verlässlicher Weg zurück in einen selbstbestimmten Alltag.