Der Infotag verband medizinische, sportliche und psychosoziale Aspekte und bot mit dem „Meet the Doc“-Speeddating direkten Austausch zwischen Ärztinnen, Ärzten und Betroffenen. Wie wichtig ist dieser ganzheitliche und persönliche Ansatz in der modernen Krebsmedizin?
Neben der differenzierten Diagnostik, der Risikoabschätzung und der angemessenen systemischen und der chirurgischen Therapie ist eine psychoonkologische Begleitung und gegebenenfalls Ergänzung durch komplementärmedizinische Ansätze sinnvoll. Die Erkrankung ist letztlich so individuell wie die Betroffenen sind und bedarf einer entsprechenden detaillierten Analyse und angepassten Behandlung.
Die HanseMerkur hat den Informationstag als Gastgeber ermöglicht. Welche Bedeutung haben aus Ihrer Sicht Versicherungen, wenn es darum geht, Gesundheitskompetenz, Prävention und informierte Entscheidungen bei schweren Erkrankungen wie Brustkrebs zu fördern?
Wir sind der HanseMerkur für ihre Gastgeberrolle unseres jährlichen Patiententages zu Dank verpflichtet. Gleichzeitig sind wir ihr dankbar für die Versorgung der Versicherten und die bestehende Kooperation. Wir hoffen auf weitere erfolgreiche Patienten- und Patientinnenveranstaltungen in Zukunft.
In der öffentlichen Diskussion ist oft vom „Gender Health Gap“ die Rede – also davon, dass Frauen in Forschung, Diagnostik und Versorgung lange zu wenig berücksichtigt wurden. Spüren Sie diese Unterschiede auch in der Brustkrebsmedizin, und hat sich hier in den letzten Jahren etwas verbessert?
Da das Mammakarzinom zu 99% Frauen betrifft, ist in dieser besonderen Situation eine Benachteiligung der Frauen in Forschung, Diagnostik und Versorgung nicht zu erkennen. Der Fokus liegt und lag bei der Optimierung der Behandlung und Diagnostik von Frauen. In vielerlei Hinsicht wird der Brustkrebs der Männer in ähnlicher Weise behandelt wie der der Frauen.
Forschungsgelder und Studien beeinflussen maßgeblich, welche Therapien entwickelt werden. Wo sehen Sie aktuell noch Handlungsbedarf, wenn es um gezielte Forschung zur Frauengesundheit – insbesondere im Bereich Brustkrebs – geht?
Ich sehe vor allem Handlungsbedarf bei der schnellen Umsetzung relevanter Studienergebnisse in die Praxis. Wichtig ist, dass neue, wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse und Therapien vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) rasch geprüft und anerkannt werden, damit Patientinnen zügig von bestmöglichen Behandlungsmethoden profitieren können.
Wenn Sie den Teilnehmerinnen zum Abschluss eine Empfehlung mitgeben dürften: Was hilft nach Ihrer Erfahrung am meisten, um mit der Diagnose Brustkrebs umzugehen?
Das Wissen um die individuelle Situation verbunden mit einem Angebot für eine optimale Therapie vermittelt den Patientinnen die größte Sicherheit im Umgang mit der Diagnose.